«Lozärn öbernemmt!»
Cupsieger der Herzen – unser FC Luzern. NOMÄ LOZÄRN!!!
Dramatik pur im Schweizer Cupfinal 2012.
Eine Aufzeichnung.
Am Ende standen sowohl die Luzerner Akteure, als auch dessen zu tausenden nach Bern geströmte Fans, der grossartige Anhang genauso wie die in Luzern mitfiebernden Fussballbegeisterten wieder mit leeren Händen da.
Grosse Augen machten die treuen Supporter Minuten nach dem kapitalen Elfmeterschiessen vor dem Stadionausgang nicht etwa (wie die Basler Fan-Choreographie zu Beginn des 86. Cupfinals vermuten hätte lassen: «Wenn die Glaine grossi Augä mache») weil sie vom Favoriten aus Basel im Cupfinal dominiert worden wären, sondern, weil sie ihren Augen kaum trauten. Die masslose Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben, fassungslos stand man draussen in der Kälte zusammen, noch immer ohne Verständis dafür, was sich Minuten zuvor drinnen auf dem Rassen des Stade de Suisse abgespielt hatte. Das Bier, das man für die Rückreise mit den Extrazügen in Ostermundigen kaltgestellt hatte, fand viel zu wenige Abnehmer, die Stimmung war gedämpft. Verständlich nach dieser unverständlichen Niederlage im diesjährigen Cupfinal! Denn so war es einmal mehr der vom Siegen verwöhnte FC Basel, der als Sieger vom Feld schritt, dessen Spieler nun vor Freude taumelnd, jubelnd, ausgelassen feiernd im Innern des Stadions!
Ein gegensätzlicheres Bild kaum auszudenken. Die Luzerner Profis schritten mit hängenden Köpfen und dennoch einigermassen gefasst von dannen. Allerdings nicht ohne sich zuvor nochmals bei seinem treuen Anhang zu bedanken, minutenlang wurde den FCL-Fans Dank für die ungebrochene, grossartige Unterstützung gezollt, die Murat Yakins Mannschaft sowohl in den 120 Minuten zuvor, als auch im finalen Penaltyschiessen erfahren durfte. Und die Spieler schienen dennoch stolz zu sein. Und stolz durften sie zu Recht sein. Für die abgelieferte, grossartige Leistung. Für das Vollbrachte ohne Krönung! Und dieser Stolz war ersichtlich, auch wenn man sich damit natürlich keinen “Chöbu” kaufen kann!
Genützt hat’s alles nichts: zum dritten Mal innert einer Dekade musste sich der FC Luzern in einem Cupfinale geschlagen geben, so knapp (nicht nur vom Schlussresultat her) war es allerdings noch nie gewesen – doch im Elfmeterschiessen (zum ersten Mal seit sechs Jahren wurde die Entscheidung im Schweizer Cupfinal wieder durch Penaltyschiessen herbeigeführt) behielten die vier Basler Schützen Yapi, Streller, Zoua sowie Shaqiri die besseren Nerven, auf Seiten der Leuchten hingegen verschoss Captain Florian Stahel genauso wie Moshe Ohayon, beide unten rechts. Und somit wurde letztlich wieder nichts aus dem „blau-weissen Wunder“, das nicht nur von Luzerns Sponsor Eichhhof heraufbeschworen wurde, sondern an welches diesmal so viele Luzernerinnen und Luzerner und all die Kurvengänger bis zuletzt geglaubt hatten. Das Wunder, das wir alle über eine so lange Zeit hinweg so sehr herbeigesehnt hatten und das für die aktuellle Vereinsführung der Höhepunkt ihres bisherigen Wirkens, für die treuen und unaustauschbaren (!) Fans (in vereinsinterner Hinsicht) hingegen ein versöhnliches Ende dieser Saison gewesen wäre. Denn so sehr man Walter Stierli und seinen semiprofessionellen kommunikativen Auftritt kritiseren mag, so hätte man ihm diesen (sportlichen) Triumph zu seinem Abgang dennoch herzlich gegönnt, hat er doch enorm viel in diesen Verein investiert und ihn wirtschaftlich und wie sich durch Yakins Verpflichtung allmählich gezeigt hat, auch sportlich wieder auf Vormarsch gebracht. Seine kommunikativen Defizite und sein mangelnder Respekt den treuen Fans gegenüber sind natürlich schwer verzeihlich, sollen an dieser Stelle aber nicht ausgeschlachtet werden. Denn, dass W. Stierli herzlich wenig von gelebter und treuer Fankultur versteht, hat er ja bereits zur Genüge bewiesen und das wird sich auch nicht mehr ändern. Dennoch: Ein Cupsieg zum „Abgang“ hätte man ihm allemal gern geschenkt!
Tolle Affiche im 86. Schweizer Cupfinal
Doch alles schön der Reihe nach. Das mit grosser Spannung erwartete Duell der in dieser Spielzeit wohl diskussionslos besten beiden Superligisten hielt von Beginn weg, was es versprach.
Die Affiche war grossartig, waren zuvor doch sowohl tausende von FCL-Fans, als auch unzählige Basler-Supporter in jeweiligen Fan-Märschen aus der Berner Innenstadt zum Wankdorf gepilgert. Die Luzerner Fans waren allerdings deutlich in der Überzahl, der Bärenplatz im Herzen der Hauptstadt wurde von gut gelaunten FCL-Anhängern fröhlich belagert, es wurde viel getrunken, man stimmte sich auf den Cuphit ein und alle waren fest davon überzeugt, dass der FCL nach 1960 und 1992 zum dritten Mal den Schweizer Cup gewinnen würde. War die Vorfreude auf den diesjährigen Cupfinal doch in der ganzen Zentralschweiz über die Massen zu spüren. So steuerte Radio Pilatus mit einem wenn auch nicht über alle Zweifel erhabenen Cupsong beispielsweise seinen Teil zur Steigerung der Vorfreude bei. Überall wurden eifrig Cupfinal-Shirts gedruckt, sei es nun von komerzieller Seite her oder von den USL-Supportern, die gerade etwa mit solchen Aktionen und unerschöpflichem Einsatz und riesengrossem Aufwand ihre herzhafte und wunderschöne Unterstützung für ihre Leuchten zum Ausdruck bringen. Das Herzblut und die Liebe zu ihrem Verein offenbarten die vielen Fans denn auch mit der wunderschönen Cupfinal-Choreo im Stadion. Den „Chöbu“, denn wollen wir, zeigte die Choreo überdeutlich! Denn auf ihn gewartet, haben wir zwei volle Jahrzehnte, genug lange also! So war denn auch alles perfekt hergerichtet, denn alle Direkt- und weniger direkt Beteiligten trugen ihr Mögliches dazu bei, dass das „blau-weisse Wunder von Bern“ zustande kommen möge – „nur“ der Sieg musste noch her.
Das Spielt kennt zu Beginn nur eine Richtung
Das Spiel begann gleich mit einem Paukenschlag. Adrian Winter hat nach gerade mal 7 Zeigerumdrehungen die erste riesige Chance auf seinem rechten Fuss. Nachdem Winter den Ball an der Mittellinie dank grossartigem Einsatz erobert hatte, gelangt der Ball über Hochstrasser und Lezcano wieder zum 25-jährigen Flügelspieler. Dessen Schuss ist allerdings zu harmlos, um Yann Sommer bezwingen zu können, wurde der Schuss doch zu früh und zu wenig platziert abgegeben.
Keine 3 Minuten später dann die erste ernsthaft strittige Szene, das Ganze im Basler Strafraum. Beteiligt der FCB-Innenverteidiger Dragovic und die gleich von Beginn an wirblige, wenn auch insgesamt unglücklich agierende FCL-Stürmerspitze Dario Lezcano. Nach dem 1. Luzerner Corner kommt Puljic mit dem Kopf nicht richtig ans Leder, der Ball kommt allerdings zu Lezcano und dieser wird bei seinem Schussversuch aus nächster Nähe von hinten bedrängt und von Dragovic zu Fall gebracht, der fällige Elfmeterpfiff des auch in der Folge höchst mässigen, meiner Meinung nach gar schlecht pfeifenden Referee Daniel Wermelinger bleibt jedoch aus.
Bei der anschliessenden Ecke kommt der auch heute wieder unglaublich kopfballstarke Tomislav Puljic gleich wieder an den Ball – allerdings setzt er diesen knapp neben das Tor.
Die Luzerner schlagen insbesondere in der Anfangsviertelstunde ein hohes Tempo an, kommen zu einigen nennenswerten Offensivaktionen und überzeugen von Beginn weg durch ein beeindruckende Raumdeckung. Einmal mehr scheint Murat Yakin seine Elf taktisch hervorragend auf den Gegner eingestellt zu haben. So ist es wohl auch kein Zufall, dass der FCL die letzte Schweizer Mannschaft gewesen ist, die den FCB besiegen konnte und zwar war dies am 20. August 2011 gewesen. Wenn das mal kein gutes Omen ist.
Die nächste Grosschance hat Nello Ferreira in der 14. Minute auf dem Fuss, wiederum nach einem Corner, doch der gross aufspielende Yann Sommer pariert den halbhohen Schuss glänzend indem er ihn in den Corner lenkt.
Basel kommt zu Beginn kaum zu echten Chancen. Erst nachdem in der 26. Minute ein stehender Ball von Shaqiri hoch in den Strafraum fliegt und nach einer gewissen Verwirrung der Ball via Lustenberger abgelenkt zum in aussichtsreichender Positon stehenden Valentin Stocker kommt, wird’s zum ersten Mal heiss vor Zibungs Tor. Dave Zibung macht die weite Ecke allerdings geschickt zu und wehrt den Schuss von Stocker hervorragend ab!
In der Folge gleichen sich die Spielanteile je länger je mehr aus. Dem FCB gelingt es zunehmend, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen, ohne dabei allerdings gefährlich vor David Zibungs Gehäuse aufzutauchen. Immer wieder reisst der zwar nicht ganz so auffällig wie gewohnt agierende Granit Xhaka das Spiel an sich, umsichtig und technisch begnadet verteilt er die Bälle im Spiel der Basler. Allerdings muss er sich aufgrund dessen, dass der FCL die Räume von Beginn weg sehr eng macht, immer wieder auch falllen lassen, um die Spieleröffnung gestalten zu können.
Der FCL überzeugt durch Kampfgeist, Einsatzwille und riesengrosses Laufpensum jedes Einzelnen. Im Mittelfeld glänzen vor allen Dingen Alain Wiss, dessen Ruhe am Ball und Übersicht schlicht beeindruckend sind (und was Ottmar Hitzfeld nun allem Anschein nach zu einer Länderspielnomination für Alain Wiss bewogen hat), sowie Michel Renggli durch unbändigen (Zwei-) Kampfwille und durch aggressive Raumdeckung, sodass im Zentrum kaum Lücken enstehen, die die Basler zu Chancen nützen könnten. Über die Aussen ist der FCL immer wieder gefährlich, da sich Ferreira und vor allem Winter dank ihrer Schnelligkeit und Variantenvielfalt immer mal wieder durchtanken können und so für Aufregung in der Basler Defensive sorgen! Die beiden Flügel blieben stets unberechenbar und waren ein ständiger Gefahrenherd für die Basler.
Die nächste gefährliche Aktion hatte dann Adrian Winter in der 2. Minute der zweiten Halbzeit; nach perfekter Ballmitnahme verzieht er aus relativ spitzem Winkel allerdings deutlich.
In der zweiten Halbzeit zeichnet sich bald einmal ab, dass auch diese von grosser Intensität geprägt sein würde. Basel ist zwar überhaupt nicht überlegen, kommt aber dennoch durch den völlig freistehenden Routinier Beni Huggel zur 1:0 Führung, obschon diese zu diesem Zeitpunkt weder verdient war, noch sich angekündigt hatte.
Bezeichnend, dass das einzige Basler Tor in der regulären Spielzeit aus einer Standardsituation enstanden ist, bei der Lustenberger nicht aufgepasst hatte und somit viel zu weit weg von Beni Huggel stand, der eiskalt und problemlos per Kopf einnetzt. Welch wichtiger Treffer für Huggel in seinem letzten bedeutenden Spiel für seinen FC Basel.
Nachdem die Leuchten sich nach einer gewissen Zeit gefangen hatten, spielen sie wieder zielstrebiger und konsequenter nach vorne – immer wieder können weite Pässe in die Tiefe für Gefahr sorgen, dabei fiel auf, dass Lezcano an diesem Abend herzlich wenig gelang und wohl besser früher schon ausgewechselt worden wäre, zumal der für ihn später eingewechselte Jahmir Hyka in der Nachspielzeit einige Male gefährlich in den Basler Strafraum eindrang und meistens erst sehr spät gestoppt werden konnte.
Die Spannung kehrt zurück – diesmal schaffen wir’s!
Der Ausgleich lag also förmlich in der Luft und nach einem etwas missratenen Corner kommt Michel Renggli doch noch an den Ball, köpft geschickt zur Mitte, wo Tomislav Puljic mit einem ungewöhlichen, aber sehr sehenswerten Kopfball zum 1:1 Ausgleich trifft.
Im Rückwärtslaufen köpft Puljic den Ball über Sommer hinweg ins weite Eck.
Der Glaube und die Euphorie sind zurück, die mitgereisten FCL-Fans singen nun noch lauter und peitschen ihre vermeintlichen Cuphelden ungebrochen voran. Das Spiel steht lange auf des Messers Schneide, Hochspannung pur im Stade de Suisse. Die Zuschauer bekommen einen tollen und von Emotionen geladenen Cupfight zu sehen. Einige Male geht ein Raunen durchs Stadion, die (An-) Spannung ist riesig, das spüren auch die Fans in der Kurve. Auch die Sitzplatzinhaber hält es kaum mehr auf ihren Rängen.
Die Basler wurden in der zweiten Halbzeit und der Verlängerung eigentlich fast nur noch durch einige Weitschüsse (deren zwei von Shaqiri) einigermassen gefährlich, ansonsten war von der normalerweise geballten Ladung Offensivkraft herzlich wenig zu sehen. Wie sehr die FCL-Profis diesen Cupsieg allerdings wollten, sah man an der letzten bedenklichen Situation vor dem Elfmeterschiessen. Mit letzter Kraft rennt Adi Winter, obschon beinahe stehend K.O., in der 108. Minute los, am eingewechselten Radoslav Kovac scheinbar vorbei, sodass sich dieser nur noch mit einer vermeintlichen Notbremse zu retten weiss. Ein klares Zurückreissen des Gegners, Adrian Winter fällt. Doch wieder bleibt es stumm, anstatt dass Kovac mit Rot vorzeitig des Feldes verwiesen worden wäre.
Was folgt? Das bekannte Szenario. Das Glückspiel im Penaltyschiessen vor der Luzerner Fankurve, das alles auslöscht, was vorher gewesen war: Zwei FCL-Cuphelden verschiessen ihre Elfer, währenddessen alle 4 Basler verwerten, 3 davon sicher, Shaqiri eher glücklich, denn Zibung war noch dran und auch bei zwei anderen Versuchen, nämlich jenen von Yapi und Streller ahnte er ebenfalls die richtige Ecke. Allerdings sind alle ausser Shaqiris Elfmeter ungemein präzis und hart geschossen, im Gegenteil zu Ohayons und Stahels Elfmeter. Doch wer will diesen beiden Akteuren ernsthaft Vorwürfe machen, standen sie doch unter enorm riesigem Druck. Unwiderrufbare Augenblicke. Viele Fans den Tränen nahe, war man doch so nahe dran am Coup!
Im Nachhinein mag wohl niemand bestreiten, dass der FC Luzern in der regulären Spielzeit die bessere Mannschaft gewesen sei, und so sagte Murat Yakin denn auch gegenüber der NZZ, dass er unglaublich stolz darauf sei, was seine Mannschaft in dieser (Cup-) Saison geleistet habe. Dass man sich benachteiligt gefühlt habe, ist eigentlich ja selbstredend, obschon bei solchen Unterstellungen an die Unparteiischen natürlich immer auch eine grosse Portion Enttäuschung mitspielt!
Es war letztlich das gewohnte Bild: Basel gewinnt einmal mehr einen Titel, war zwar weder feldüberlegend noch überzeugend. Der Titel hat aber gewiss einen schalen Nachgeschmack, wurden die Basler doch bei gewissen Schiedsrichterentscheidungen tatsächlich, augenfällig und erheblich bevorzugt. Dass die Basler den Sieg nicht verdient hätten, scheint aufgrund der sehr überzeugenden Saison 2011/12 wohl kaum einer zu behaupten.
Aber die Feststellung bleibt: Wir waren noch nie so nah dran und folgende Frage dominierte bei den treuen FCL-Anhängern nach dem Spiel: „Wann sind wir wieder so nahe dran?“ Es hat nicht sein sollen, trotzdem herzlichen Dank für das tolle Cup-Abenteuer 2012 und für den tollen Match, ein riesiges Kompliment an all die tollen Fans und den tollen Eindruck, den all die Fans und Mitgereisten in Bern hinterlassen haben!
Der FCL war leidenschaftlicher, williger und auch heissblütiger als die abgebrühten Basler. Das ist auch unsere grosser Stärke für die Zukunft! Wir müssen noch hungriger sein, noch näher zusammenrücken und unseren FCL zum Sieg singen, nicht umsonst bedankten sich die Profis seit Langem wieder einmal herzlichst und demütig bei ihrem Anhang.
Auf zu neuen Horizonten, «dä FCL übernimmt!»
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