Einmal mehr ist die Pyrodebatte rund um den FC Luzern eine Story Wert. Es scheint als habe man bei der Luzerner Zeitung die Rolle des Moralapostels die Toilette runtergespült. Uns freuts. Doch auf die Finger klopfen muss man trotzdem. Was ist passiert?

Der FC Luzern qualifizierte sich am Mittwochabend im Wallis sensationell für den Cupfinal. Adrian Winter schockte CC und seine Elf bereits nach acht Minuten. Nach einem herrlichen Zuspiel von Sally Sarr versenkte Winter den Ball souverän in der nahen Ecke. Die Weichen auf Cupfinal waren gestellt. Vom Kurs abringen konnte man diesen FCL am Mittwochabend nicht. Zu souverän war der Auftritt. Vorallem in der ersten Halbzeit zeigten die Luzerner eine Glanzleistung. So gab es für die Fans dann auch schön was zu feiern. Um die 600 Luzerner waren ins Wallis gereist um die Mannschaft zu unterstützen. Bereits am Nachmittag wurde in Sitten hegemonial die blau weisse Flagge über der Stadt gehisst. Den Sieg des Teams würdigte man mit einer grossartigen Atmosphäre. Wunderschön leuchteten die Fackeln im Wallis. Gleich mehrmals wurde gezündet. Und was sieht man wenn man einen Tag später die LZ aufschlägt? Adrian Winter jubelnd vor zwei strahlenden Pyros! Sogar die FCL-Fan Choreo wird im Bericht erwähnt!

Der durchschnittliche LZ-Leser hat sich wahrscheinlich kaum etwas dabei gedacht und sich munter über den Finaleinzug gefreut. Doch der aufmerksame leidenschaftliche Fussballfan musste schon etwas erstaunt gewesen sein beim Anblick dieses Fotos von Philipp Schmidli. Ob man nun pro oder kontra Pyro Position bezieht: Eine Zeitung die eine monatelange Offensive gegen solche Fackeln fährt und sie dann plötzlich wieder, ohne mit der Schulter zu zucken, dem Leser vorsetzt, als hätte die ganze Debatte nie stattgefunden, ist schon etwas schizophren. Inkonsequenz kann man der Redaktion zumindest vorwerfen. Einer der sich monatelang für eine vegane Ernährung einsetzt und dann plötzlich mit Fleisch sein Essen würzt, müsste sich diese Vorwürfe auch gefallen lassen. Man kann ja schlecht behaupten, Adrian Winter lächle auf dem Bild so schön, darum habe man es ausgewählt und man hätte die Pyros im Hintergrund nicht erkannt. Sie flackern (was auf einem Standbild kaum möglich ist, diese Pyros schaffen es jedoch, womöglich aufgrund der grossartigen Leistung des FCL) so wunderschön hinter Adrian, dass sie jeder sehen muss. Sie sind also nicht zufällig da, sondern von der Redaktion bewusst dort platziertz worden. Erleben wir hier also wirklich einen schwachen Moment der LZ-Redaktion, die sich für einmal ganz nach dem Motto “Emotionen Respektieren – Pyros Legalisieren” der Leidenschaft des Fussballs hingegeben hat und die Ästhetik und die ekstatische Atmosphäre die so eine Fackel verkörpert, anerkennt?

Oder aber, was noch viel schöner wäre, wir erleben hier einen Kurswechsel. Vielleicht haben Christian Bertschi und Co. ihr blau weisses Herz wieder gefunden, just rechtzeitg auf den Cup-Final vom 16. Mai. “Wer die eigenen Fans bekämpft, der bekämpft die Seele des Vereins!” und alle ziehen wieder am selben Strick. Den nach diesem Foto ist klar: Ein Angriff auf die Fankultur seitens der LZ liegt im nächsten Jahr nicht drin. Wir erinnern sie einfach schön an die historische Ausgabe vom Donnerstag 12.04.2012 als die LZ die Pyros wieder legalisierte. Körnchen Pickereri liegt nicht drin. Cup-Halfinal ist schon speziell, doch auch ein Ligaspiel gegen Basel kann Ekstase hervorrufen. Es scheint als schaffe der Cupfinal etwas, was in Luzern sonst nicht möglich gewesen wäre: Er vereint den Verein, die Fans und die Zeitung. Alle ziehen wieder am selben Strick. Alli uf Bärn am 16. Mai! “Zeit für neue Helden”

Hier gibt es das Bild auch online zu bestaunen

Ach ja, die-plattform.ch-Man-Of-The-Match war Alain Wiss!

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