Nach den eidgenössischen Wahlen überlegen sich alle Politologen welche Partei nun den besten Wahlkampf betrieben hat und die Leute am besten erreicht hat. Man versucht Fehler ausfindig zu machen, die für das magere Abschneiden verantwortlich sein könnten und versucht die Attraktivität der Wahlsieger zu eruieren. Dies ist alles schön und gut. Doch könnte man sich nach den Wahlen auch mal die umgekehrte Frage stellen: Was hat denn das Volk falsch oder richtig gemacht? Was hat es sich da eigentlich eingebrockt für die nächsten vier Jahre?

Das Volk hat es bei diesen Wahlen ganz klar verpasst, dem aktuellen Finanzsystem eine deutliche Absage zu erteilen. Es hat es verpasst, die soziale Sicherheit für die Zukunft zu sichern. Es hat es verpasst, den Atomausstieg in aller Deutlichkeit fest zu machen. Es hat es verpasst zu zeigen, dass man Kampfjets nicht einfach so am Volk vorbei schmuggeln sollte. Es hat es verpasst, gekaufter Politik ein Ende zu bereiten. Denn diese Wahlen machen eigentlich nur eines: Sie festigen den maroden Kurs, der unser Parlament in den letzten vier Jahren bereits gefahren ist.
In der Entscheidung 2011 hat man die politische Mitte gestärkt. Die Bürgerlichen trumpfen gross auf. Allerdings hat man auf neue Kräfte gesetzt. Bezeichnend wie viel man über diese weiss, war wohl das Wahlplakat der BDP: DIE neue Kraft. Das grösste Wort auf dem Plakat, war der Artikel “Die”. Es ist also möglich in diesem Land mit keiner politischen Botschaft, sondern dem einfachen Slogan: “Die neue Kraft” auf Anhieb über 5% Wählerstimmen zu machen. Denn vielmehr als ein Evelyne Widmer-Schlumpf Fanclub ist Hans Grunders Partei in grossen Teilen der Schweiz nicht. Martin Bäumles Partei zu wählen leuchtet da schon eher ein. Obwohl es in Zeiten der tiefen Krise des Kapitalismus schwerfällt zu verstehen, warum jetzt grünliberal mehr Anklang findet als grün und sozial.
Die Hoffnung war da. Man hätte doch glauben können, dass das Volk auf die grossen Probleme der Zeit mit einem starken Signal an diesem Sonntag hätte reagieren können. Doch man stärkte die bürgerliche Mitte. Man stärkte eine Politik, die das Reduit Schweiz zu verteidigen versucht. Die kein Problem aktiv lösen will. Der Politologe Michael Hermann meinte heute im Tagesanzeiger: “BDP und Grünliberale sind die perfekten Parteien, für jene, die etwas Neues wollen, aber keine Veränderung.” Das trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis der Einfluss der Wirtschaftslobby auch dort gross genug sein wird, dass Veränderung auch in der nächsten Legislaturperiode nicht möglich ist. Der weltweite Ruf nach mehr Demokratie versandet in der Schweiz in der bürgerlichen Mitte. Die Wählerstimmen landen bei Parteien die Sitzungsgelder politischen Idealen vorziehen. Der Casinokapitalismus ist auf weitere vier Jahre legitimiert.

Getagged mit
 

7 Responses to Volk was wählst du eigentlich?

  1. [...] eines aktuellen Beitrags von http://www.die-plattform.ch. Die Arroganz und Überheblichkeit könnte ein Grund für die [...]

  2. Yanik sagt:

    …schön zu sehen, dass du dir regelmässig Zeit nimmst dich mit “linken Themen” (unseren Beiträgen) auseinander zu setzten..nur ist es vielleicht als Vertreter des Freisinns zur Zeit nicht gerade angebracht anderen Volksferne vorzuwerfen..seis drum..wir haben nichts zu verbärgen, was soll also dieser unnötige Versuch erneut eine belanglose Debatte zu erzeugen und diese zu personalisieren bzw. zu emotionalisieren? Für Fragen über Aktivmitglieder schreib doch einfach eine Email, Kontaktdaten findest du unter “Kontakt”

    • Bené sagt:

      Ja, das sehe ich ähnlich, zumal unter dem Tab auf unserer Seite http://www.die-plattform.ch/ueber-uns eigentlich ziemlich unmissverständlich und in aller Deutlichkeit zum Ausdruck kommt, welchen Anspruch wir an unseren Blog-Auftritt hegen, welche gesellschaftspolitische Intentionen wir mit dem Wirken unseres Vereins haben und was wir zur öffentlichen (politischen) Debatte mit unseren Artikeln, Kommentaren und auch “Aktionen” (um auf jenes pejorative Vokabular zurückzugreifen, das gerne benutzt wird, um Antipathie sozialistischen Ideen und Aktivitäten gegenüber kundzutun) beizutragen gedenken! Inwiefern soll dies als “Sich-Verschanzen” hinter einem Verein verstanden werden? Genau wie du mit deinem Blog, so benutzen auch wir eine Plattform für unsere Aktivitäten und Beiträge, der Autor des Beitrags und Gastbeiträge/Zitate sind ja jeweils vermerkt…Dein Artikel läuft diesbezüglich also so ziemlich ins Leere! die-plattform.ch dient Vereinsmitgliedern von la résistance de la raison – RdR ihre Meinung, ihre politischen Anschauungen (zum Zeitgeschehen) zum Ausdruck zu bringen und im Generellen ist dies eine unter vielen “publiztistischen” Möglichkeiten, um auf gesellschaftliche Themen und Missstände aufmerksam zu machen, das politische Geschehen kritisch zu betrachten und um sich schreibend mitzuteilen! Es freut uns, dass du dich für unseren Blog interessierst, aber was soll daran bitte “intransparent” sein? Für Fragen und Anfragen bezüglich Neumitgliedschaft sind wir jederzeit offen und unter Kontakt geben wir auch gerne Auskunft über unsere Autoren, unsere Mitglieder und unsere Standpunkte zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen.

  3. … [Trackback]…

    [...] There you will find 64622 more Infos: die-plattform.ch/2011/10/volk-was-wahlst-du-eigentlich/ [...]…

  4. … [Trackback]…

    [...] Informations on that Topic: die-plattform.ch/2011/10/volk-was-wahlst-du-eigentlich/ [...]…

  5. … [Trackback]…

    [...] Find More Informations here: die-plattform.ch/2011/10/volk-was-wahlst-du-eigentlich/ [...]…

  6. lainaa sagt:

    … [Trackback]…

    [...] Read More: die-plattform.ch/2011/10/volk-was-wahlst-du-eigentlich/ [...]…

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

 
Set your Twitter account name in your settings to use the TwitterBar Section.