Der Paukenschlag kam prompt zwei Tage nach den Wahlen. Der Kahlschlag von Novartis zeigt, dass von linker Seite nicht übertrieben wird: Der Neoliberalismus zelebriert den Reichtumswahn in immer absurderen Dimensionen. Jean Zieglers Raubtierkapitalismus ist nich mehr zu bändigen. Die Beutejäger schlagen einmal mehr zu. Und dies äusserst radikal. Ungeheuerlich und beunruhigend dabei: Der Zynismus und die Arroganz die mittlerweile in ihrem Handeln liegen. Man schäut sich nicht einen Gewinn von 2,5 Mrd. im 3. Quartal bekannt zu geben und gleichzeitig die Entlassung von 1080 Mitarbeitern. In Basel baut man in den kommenden Jahren 760 Vollzeitstellen ab: 230 Stellen in der Produktion, 200 in der Entwicklung, 270 in der Forschung sowie 60 in der Administration. Zudem wird die Produktion von rezeptfreien Medikamenten in Nyon komplett geschlossen. Dies führt zum Abbau von 320 weiteren Arbeitsplätzen. Novartis will damit Jährlich mehr als 200 Mio. Dollar sparen. Die Massnahmen würden «zur Straffung der Organisation und zur Steigerung der Produktivität» führen. Wie pervers klingt das eigentlich in Anbetracht von 1080 Mitarbeitern, die auf die Strasse gestellt werden? Die neoliberale Logik hat kein Herz. Sie hat nichts menschliches an sich. Sie interessiert sich für keinen einzigen Arbeitslosen. Wegrationalisieren, ohne mit den Wimpern zu zucken.

Bei genauerer Betrachtung der verfolgten Unternehmenspolitik wirkt das ganze noch viel barbarischer. Novartis beschäftigt insgesamt 119’418 Personen weltweit. Davon arbeiten rund 12’500 Persoen in der Schweiz. Verteilt auf die Standorte in Basel (BS), Schweizerhalle (BL), Stein (AG), Embrach (ZH), Cham (ZG), Bern, St-Aubin (FR), Nyon (VD) und Locarno (TI). Von den Stellen in der Schweiz fallen also fast 10% weg. Bereits jetzt wird die grösste Arbeit in Billiglohnländern verrichtet. Weitere 700 Stellen sollen dort geschaffen werden, um die in der Schweiz entlassenen Arbeitskräfte zu ersetzen. Wenn man bedenkt, dass Novartis 1996 aus zwei Basler Pharmaunternehmen entstand, ist es schon bedänklich wie wenig Verantwortungsbewusstsein gegenüber der lokalen Verwurzelung in den aktuellen Entscheiden steckt. Die Mobilität des Kapitals macht es den Unternehmen möglich, dorthin zu fliehen, wo sie Gesetze umgehen können. Novartis argumentiert, dass man konkurenzfähig bleiben müsse und der Entscheid für die Zukunft notwendig wäre. Mit den aktuellen Zahlen ist der Entscheid auch kaum zu rechtfertigen: Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 18 Prozent auf 14,8 Mrd. Dollar, der Reingewinn um 7 Prozent auf rund 2,5 Mrd. Dollar. In den ersten neun Monaten 2011 wuchs der Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 43,8 Mrd. Dollar. Wie lächerlich wirken dagegen die 200 Millionen die durch die Entlassungen eingespart werden sollen. Wie lächerlich wirken diese 200 Millionen gegen das Salär von Daniel Vasella: 44 Mio. Schweizerfranken jährlich. 1080 Mitmenschen müssen gehen, damit Vasella weiterhin abkassieren kann. Denn hinter den Entscheiden der internationalen Unternehmen steckt eine systematische Politik. Die neoliberale Logik. Sie ist nur darauf aus, den Profit, den Gewinn zu maximieren. Doch wer profitiert davon? Höchstens 1%. Und 99% werden sich selbst überlassen. Sobald sie nicht mehr gebraucht werden, können sie gehen. Werden freigestellt. Es gibt nichts unsolidarischeres als diese Unternehmen. Sie erschaffen eine Welt, in der die Profitmaximierung über jede zwischenmenschliche Beziehung gestellt wird. Eine Welt in der nichts mehr zählt ausser dem Geldwert. Die jüngste Entscheidung von Novartis zeigt einmal mehr auf, wie bedrohlich sich der aktuelle Kapitalismus ausbreitet. Neu dabei gegenüber den 90er Jahren: Der Zynismus und die Arroganz in ihrem Handeln.

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